Paulskirche - Symbol der Deutschen Demokratie


1848 In der Folge der französischen Revolution erwachte auch in den deutschen Kleinstaaten das politische Bewußtsein des Bürgertums. Überall entstanden politische Gruppen, die das Ende der Fürstenherrschaft und ein freies, geeintes Deutschland anstrebten.

Als Versammlungsort bot sich Frankfurt am Main wegen seines Status als Freie Reichsstadt und Sitz des Deutschen Bundes geradezu an. Nach der vom Vorparlament vorbereiteten Wahl trat am 18. Mai 1848 die erste frei gewählte Nationalversammlung in der Paulskirche zusammen. Im März 1849 wurde die erste Deutsche Verfassung, die allerdings nie in Kraft trat, verabschiedet. Die Fürsten gewannen wieder die Oberhand und die Revolution war gescheitert.

Nationalversammlung

1973 Die Euphorie von 1848 war der Ernüchterung gewichen. Die Deutsche Einheit war inzwischen zwar Realität geworden, doch war es "eine Lösung von oben". Der Frankfurter Dichter Friedrich Stolze gab die Stimmung der Demokraten passend wieder: "Wenn das die Göttin Freiheit ist, die möcht' ich nicht zum Schatze".

1898 Die Jubiläumsfeiern finden in einem pompöseren Rahmen als 25 Jahre zuvor statt. Doch obwohl Bismarck zwischenzeitlich entlassen war und leichte Ansätze sozialer Reformen erkennbar wurden, faßte der Gründer der Frankfurter Zeitung und Vorsitzende des Festtagsausschusses Leopold Sonnemann die aktuelle Situation in folgende Worte: "Die Reichsverfassung von 1871 lehnt sich zweifellos an die Paulskirchenverfassung an, sie gleicht dieser aber wie ein beschnittenes Geldstück einer vollwertigen Münze".

1923 Die Feiern wurden zu einer "republikanischen Massenkundgebung". Reichspräsident Friedrich Ebert bezeichnete die erste Nationalversammlung 1848 "als einen Denkstein, der weit und sichtbar hineinragt in die weitere Entwicklung der Nation". Nur wenige Monate später scheiterte der erste Putschversuch Adolf Hitlers.

1948 1945 war die politische, kulturelle und soziale Identität Deutschlands infolge von 12 Jahren Naziherrschaft und 6 Jahren Krieg völlig zerstört. Die Städte und natürlich auch die Paulskirche lagen in Schutt und Asche. Der Frankfurter Oberbürgermeister Walter Kolb rief 1947 zu Spenden für den Wiederaufbau des "Hauses aller Deutschen" mit den Worten "Ganz Deutschland muß die Paulskirche wiederaufbauen, von außen und von innen, in Stein wie im Geiste" auf. Pünktlich am 18. Mai wurde die Paulskirche in einem internationalen Festakt eingeweiht.

1973 Die Jubiläumsfeiern standen ganz im Geiste des demokratische Aufbruchs der 68er Generation. Das Motto "Kunst für alle" bot eine nie dagewesene Vielfalt an offiziellen Ausstellungen, unzähligen Diskussionsforen und kreativen Straßentheater. Slogans wie "Entschuldigen Sie bitte, wo geht's hier zur Revolution" verdeutlichten den Zeitgeist.

1998 Auf dem Fundament von 49 Jahren Grundgesetz reifte Deutschland zum demokratischen und sozialen Rechtsstaat, der mit dem 1990 vollzogenen Zusammenschluß der beiden Deutschen Staaten den Höhepunkt erreichte. Deutschland ist zum wichtigen Pfeiler in der internationalen Staatengemeinschaft avanciert.

Doch schwarze Wolken ziehen drohend am "schwarz - rot - goldenen Horizont" der noch jungen Demokratie auf. Steigender Fremdenhaß, zunehmende Radikalität und Politverdrossenheit, erzeugt durch politischen Stillstand, Aushöhlen von Grundrechten, Aufbröseln des sozialen Netzes, hohe Arbeitslosigkeit, Verrohung von Sitten und Moral und Ausgrenzung von Minderheiten, sind - und nicht nur in Deutschland - zu den Krebsgeschwüren unserer Zeit geworden.

Es gilt ein neues Haus, das der europäischen Einheit, zu bauen. Und damit schließt sich der Kreis. Die Vision 1848, aus den vielen Kleinstaaten und Fürstentümern ein vereintes und freies Deutschland zu errichten, gilt 1998 gleichermaßen für ein freies und geeintes Europa. Nur haben wir diesmal keine 150 Jahre mehr Zeit.

Festakt 98

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Erstellt: 05/20/1998 -  Aktualisiert: